BarcampKoeln – Mittelstand im Mittelpunkt

Norbert Diedrich am 3. September 2015
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BarcampKoeln - Mittelstand im Mittelpunkt, Digitalisierung

 

In erster Linie – neben der Kontaktpflege – hatte ich auf dem BarcampKoeln gehofft, etwas zum Thema „Digitale Kommunikation und Mittelstand“ zu finden und wurde nicht enttäuscht.

Beispielhaft herausheben möchte ich dabei Sessions von Christian Müller (und leider nicht vor Ort: Annette Schwindt) sowie Gunnar Sohn. Beide brachten grundlegende Fragen aus Sicht von Beratern und Agenturen sehr auf den jeweiligen Punkt. Und einige möchte ich in der Nachbetrachtung gerne aufnehmen.

Facebook ohne Werbung – geht das?

Eine Frage, die seit Jahren immer wieder gestellt und immer wieder beantwortet wird. So richtig viel scheint sich aber vor allem im Mittelstand nicht zu bewegen. Wie kann das sein?

Unter anderem kommen immer wieder Unternehmen nach oder neu hinzu. Man kann nicht alles an einem Tag lernen und umsetzen. Eine Firma kann aber im Zweifel eine Weile ohne strukturierte Unternehmenskommunikation auskommen – ohne Produkte oder Leistungen sicher nicht.

Facebook – von vielen hinsichtlich junger Zielgruppen ja schon 2014 totgesagt – ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie Social Media ohne Werbung gehen kann und sich trotzdem auszahlt.

Voraussetzung:

a) Kommunikationskanäle nicht mit Verkaufskanälen verwechseln!

b) Nie in Kanälen denken, sondern immer in Strategien!

c) Inhaltliche Standards („Unsere Firmengeschichte“ etc.) können schnell langweilen!

 

Der Perspektivwechsel entscheidet

Wer diese drei genannten Aspekte berücksichtigt, kann schon mal gar nicht mehr so viel falsch machen. Alles entscheidend aus meiner Sicht ist letztlich die Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Wenn ich etwas sagen will, sollte ich mich fragen, ob das auch jemand hören will. 

Und sehr schnell kommen wir damit beim Prinzip des Inbound Marketings an. Wobei hier der Begriff Marketing weniger für eine Strategie, als für einen Effekt steht.

Rücken Sie sich in das Blickfeld anderer, nutzen Sie dazu das Prinzip „be usefull, relevant or at least entertaining“. Lassen Sie Ihren Zielgruppen Zeit, Ihre Angebote in Augenschein zu nehmen. Überzeugen statt überreden!

 

Microblogging

Wenn Sie Ihre Kontakte auf Facebook mit den buntesten, verrücktesten und lautesten Werbeangeboten permanent zuballern, dann ist das kein Dialog! Nicht wenige Unternehmer nähern sich Social Media-Portalen wie Facebook unter der Fragestellung an, was diese technisch können. Aber was nützt die Technik, wenn die Inhalte jeder Qualität spotten?

Dennoch bietet Facebook „technisch“ einige attraktive Möglichkeiten an. Texte mit mehr als 140 Zeichen (Twitter) sowie wahlweise noch in Kombination mit Bildern und Statusangaben (Ort, Emotion etc.) lassen Ihnen sehr viel Spielraum für eine Kommunikation, die von Ihren Eingaben getragen wird. Facebook-Leser sind deswegen auch Abwechslungen gewöhnt. Sogar Live-Streaming über Facebook und Twitter (Periscope) ist jetzt möglich und stellt das Google+ Hangout langsam aber konsequent ins Abseits. Facebook kann man ein wenig wie einen Blog, einen Microblog, nutzen.

 

Der erste Kontakt

Eine weitere entscheidende Frage ist die des ersten Kontaktes. Wie spreche ich eigentlich einen mittelständischen Betrieb an? Na ja, am besten über den CEO.

Eine andere Session auf dem BarcampKoeln, die sich zum Thema „Netzwelt und Mittelstand“ zusammen fand, führte sehr schnell an den Punkt: Wie stelle ich in diesem Kontext einen Erstkontakt zu einem Mittelständler her?

Klingt banal aber mal in medias res: Im Sauerland gibt es beispielsweise eine Menge florierender Mittelstandsbetriebe/-unternehmen. Klassische Kaltakquise verbietet sich. Oder wann haben Sie Ihre Unternehmenskommunikation das letzte Mal einem Dienstleister anvertraut, der Sie auf einem leicht klammen, nichtssagenden Flyer angelächelt hat wie der unangekündigte Versicherungsvertreter seine „Beute“?

Der gerade Weg – und das ist keine Wertung – führt über den persönlichen Kontakt. Ja... aber wann? Fährt man mal eben so vorbei? Nein, man trifft sich bei gesellschaftlichen Anlässen – dem Schützenfest im Sauerland, dem Kölner Sitzungskarneval, auf dem Oktoberfest etc. Newsletter, E-Mails! Ja, E-Mail Marketing funktioniert immer noch, wenn es gut gemacht ist! Aber egal, was auch immer man sich ausdenkt, es ist „kalt“.

 

Ursachen und Ausblick

Ab da wurde die Session interessant. Was sind denn die Ursachen? Im Zweifel – da waren wir uns fast alle einig – hatten viele Mittelständler schon einmal Kontakt in Sachen Digitalisierung – und zwar zu einer Agentur. Und das hat nicht gepasst. 

Ja, Ihnen etwas anbieten, was Sie brauchen. Was könnte das sein – allein vom Format her? Zum Beispiel ein Webinar, an dem Sie für andere Teilnehmer anonym am eigenen Schreibtisch sitzend teilnehmen können. Dazu braucht es wenig logistischen Aufwand, die Ansprache erfolgt zumindest mit einer echten Stimme! Daran lässt sich anknüpfen.

In der Runde kursierte am Schluss das Bild von Paaren. Aus Unternehmer und Berater ein Bündnis, ein „Paar“ bilden, dass sich gut aufeinander abstimmt. Helfen statt beraten! Beraten kann sehr schnell darin münden, dem anderen seinen Job erklären zu wollen. Wer will das schon? Perspektivwechsel!

Und vielleicht heißt es dann eines Tages: „Alle 11 Minuten digitalisiert sich ein Mittelständler über das Internet!“ ;-)

 

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