NetPress auf dem Barcamp Ruhr8 in Essen

Norbert Diedrich am 27. März 2015
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NetPress auf BarCamp Ruhr 8

Geschätzte 150 Personen trafen sich am 21. März zum zweitägigen Barcamp.Ruhr8 im „Unperfekthaus“ in der Essener Innenstadt. NetPress mitten drin. Die Organisatoren Berthold Bart und Maik Wagner haben die Veranstaltung nach einem Jahr Pause 2014 von Gründer Stefan Evertz übernommen. Das gemeine Barcamp ist eine unabhängige Veranstaltungsform und zeichnet sich aus durch:

  1. Private Veranstalter, kommerzielle Sponsoren
  2. Session-Anbieter müssen vor Ort Ihr Themenangebot einer Abstimmung stellen - keine gekauften Sessions
  3. Eintrittspreise mit Vollverpflegung unterhalb der sonst vielfach üblichen Preisklasse „Einfamilienhaus“ - Bildung durch Wissens-Sharing.
  4. Keine Sprecher-Honorare
  5. Private Veranstalter, kommerzielle Sponsoren

 

Qualitätssicherung per Handzeichen

Den traditionellen Beginn eines Barcamps kennzeichnet die unvermeidliche „Vorstellungsrunde“: Name, Unternehmen, Twitter Name und drei persönliche Hashtags. OMG, Kinderspielerei? Keineswegs – man kann zu Beginn gleich mal abschätzen, ob jemand da ist, mit dem man sich kurzschließen möchte. Wer anwesend ist, WILL kommunizieren!

BarCamp Ruhr8 Sessionplan2Anschließend wird das Programm des Tages geplant. Es werden nur Sessions genehmigt, die per Handzeichen auch tatsächliches Interesse bei den Anwesenden wecken! Eine überzeugende Form der Qualitätssicherung. Hochbezahlte Phrasendrescher haben wenig Chancen.

Was sich für manche nach einem überkommenen basisdemokratischen Gesprächskreis anhört, funktioniert letztlich ziemlich reibungslos. Wer mit der Zeit (max. 60 Minuten pro Session) nicht auskommt, hat Pech, muss sich besser vorbereiten oder kann für den zweiten Tag eine Fortsetzung anbieten. Wer mit seinem Thema langweilt, dem kann es auch passieren, dass die Zuhörer die Session ganz einfach „übernehmen“ oder zu einer anderen Session wandeln - alles schon erlebt.

 

„Agile Organisationsformen“

Neben dem persönlichen Austausch zwischendurch, für den man sich immer Zeit nehmen sollte, sowie Sessions wie „mixxt – Content Marketing“ und „Quo Vadis Community Management?“ faszinierte besonders die Session „Agile Organisationsformen“.

Die beiden „Agilisten“ von REWE digital Schmithüsen (@schmithu) und Schimera (@schimerad) gaben Einblicke in die Arbeitsweise agiler Organisationsformen. Dazu gehört die Abkehr von der Hierarchie – allerdings nicht bis zur Anarchie oder chaotischer Beliebigkeit. Entscheidungsmanagement gestaltet sich beispielsweise so, dass ein Team Verantwortlichkeiten je nach Projekt-Anforderung und Kompetenz einzelnen Teammitgliedern zuteilen kann. Nach Außen, in der Kommunikation etwa mit dem Kunden sieht sich jedoch immer das ganze Team in der Verantwortung. Erinnerte an die Schlüsselqualifikation „Teamfähgkeit“.

Der Abstand zu idealistischer Naivität könnte dabei größer kaum sein. Die Idee der „agilen“ Organisation entstammt der Programmierung – genau wie die beiden Moderatoren. Potenziell damit kollidierende Bereiche wie Vertragsrecht, Datenschutz und Markenschutz  werden nicht negiert, sondern Stück für Stück auf Notwendigkeiten und Anpassungspotenzial abgeklopft. Auch revolutionärer Romantik wurde gleich ein Strich durch die Rechnung gemacht. Denn Strukturen wie „agile“, die ein spezielles Menschenbild voraussetzen und mit Sportarten wie Mobbing oder Macht nichts zu tun haben, können in der unternehmerischen Praxis nicht von unten, sondern nur von oben erfolgreich angetestet und vorangetrieben werden. Interessant auch, dass in der sehr diskussionsfreudigen Session Begriffe wie „Glaubensfrage“, „Idealismus“ oder „Naivität“ fast gar nicht vorkamen. Unverbindliche Buchempfehlung der Moderatoren dazu: „Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us“ von Daniel Pink.

bcruhr8-netpress-team

Norbert, Daniela und Alexandra vom NetPress Team

 

No Advertising but Content

No Advertising but Content. Je mehr an sich mit Content- und Inbound-Marketing und mit agilen Organisationsformen beschäftigt, desto mehr kann man Rückschlüsse ziehen, warum ein Barcamp mit guten Organisatoren so reibungslos und inhaltlich hochwertig funktioniert. Nicht Hierarchien, sondern Kompetenzen und Bedürfnisse der Anwesenden bestimmen die Themenkonjunktur. Idealismus kann eine gute Organisation nicht ersetzen – wenn es etwa um Sponsoren geht oder ein Zielpublikum, das  thematisch auch etwas anzubieten hat.

 

Ein bisschen Advertising...

Wer nach einer anregenden alternativen Veranstaltungsform sucht – als Besucher, Anbieter oder Sponsor – der ist bei gut organisierten Barcamps gut aufgehoben. Dass nach subjektiver Beobachtung so wenig Fachjournalisten auf den Camps waren, scheint unerklärlich. Denn fachliche Tiefe findet sich immer bei einigen Sessions. Dazu durchgehende Vollverpflegung inkl. Getränke! Dass größere Sponsoren bisher nur zögerlich Interesse heucheln, verwundert nicht. Keine Honorare und keine käuflich zu erwerbenden Speaking Opportunities vor großem Hallenpublikum – wie soll man da anständig Werbung machen!? Unter den Besuchern allerdings finden sich mehr und mehr auch Anwender und Entscheider ein. Und das ist gut so. Das verhindert die Entstehung von Filterblasen... hoffentlich. ;-)

 

Lust bekommen an einem Barcamp teilzunehmen? Hier ist die Gesamtliste für Deutschland, Österreich und Schweiz.

 

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