Politische Themen als Herausforderung für das Community Management

Romy Fuchs am 18. Dezember 2015
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politik community managementDie meisten politischen Themen in diesem Jahr hatten in- oder direkt einen Einfluss auf viele Unternehmen in Deutschland. Interessant war vor allem der Umgang damit für das Community Management. Wie haben Unternehmen dies umgesetzt und was können Sie daraus lernen, schauen wir uns genauer an.

Wort des Jahres 2015

Am 11. Dezember wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort des Jahres 2015 gewählt. Dabei ist nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz beziehungsweise Popularität von Bedeutung. Gewählt wurde das Wort Flüchtling. Allein bei der Google-Suche des Begriffs ergeben sich 33.700.000 Ergebnisse. Es wurde und wird noch immer viel darüber diskutiert.

Mit dem Begriff sind verschiedene Befürchtungen, Vorurteile aber auch Chancen und Ideen verbunden, die sich in der Umsetzung des digitalen Marketings verschiedener Unternehmen widerspiegeln. Viele möchten sich an der deutschen Willkommenskultur orientieren und schießen dabei auch einmal übers Ziel hinaus. Etablierte Instanzen sehen sich zunehmend einer massiven Kritik ausgesetzt. Wir haben einige Beispiele zusammengetragen, die wir nicht bewerten aber aufzeigen wollen.

Flughafen München: Wintermarkt statt Weihnachtsmarkt

Alljährlich wiederholt sich das Spektakel. Der Flughafen München erntet für seinen Wintermarkt Kritik in diversen Medien – allen voran Facebook. Dabei wurde dieser Markt bereits 2006 von der Flughafen München GmbH von Weihnachts- in Wintermarkt umbenannt. Grund sind die Öffnungszeiten über Weihnachten hinaus.
In diesem Jahr eskalierte dieses Problem in einen Shitstorm als sich ein Facebook-Account namens Anonymous darüber beschwerte und die Fans zum Protest auf der Seite aufrief. Aufgrund der brisanten Flüchtlingsthematik in Deutschland eine Menge weiterer unschöner Kommentare nach sich zog. Rechtzeitig zur Eröffnung des Marktes am 20.11.2015 setzte Anonymus einen Post ab. Dieser bezog sich in erster Linie auf die Diskriminierung der Deutschen im eigenen Land. Dieser wurde bis heute von 25.635 Personen gelikt und 15.656 Mal geteilt. Die Mitarbeiter der Online-Abteilung waren trotz Stellungnahme das komplette Wochenende damit beschäftigt, diskriminierende Beiträge zu löschen, jedoch in erster Linie aufklärenden Dialog zu führen.
Die Kreise wurden größer: Auch die Parteien Pro und Kontra einer dritten Startbahn lieferten sich ein Gefecht, welches sich völlig vom eigentlichen Thema entfernte. Allerdings wurde der Shitstorm durch gutes und professionelles Community Management bewältigt.

Spar Österreich: Halal-Fleisch

In den Wiener Filialen bot Spar im November sogenanntes Halal-Fleisch an. Halal kommt aus dem Arabischen und heißt übersetzt erlaubt oder zulässig. Nach dem Islam darf Fleisch nur dann mit diesem Begriff bezeichnet werden, wenn die Tiere regelgerecht schlachtet. Das Wie wollen wir hier nicht weiter erläutern, kann aber auf Wikipedia nachgelesen werden. Für viele Tierschützer ist diese Art der Schlachtung schlichtweg Tierquälerei. Genau dies warfen sie dem Unternehmen über Facebook vor. Außerdem warf man Spar vor aufgrund der Islamisierung Österreichs diese Produkte so ausgezeichnet zu haben.
Entschieden wurde von Spar, dass man künftig diese Produkte nicht mehr vertreibt. Doch dafür erntete das Unternehmen wieder Kritik. Haben sie sich doch von angeblich Rechtsextremen einschüchtern lassen.

Lindt: Orientalischer Adventskalender

Lindt.jpgAuch Lindt sah sich Anfang Dezember einem Shitstorm auf Facebook ausgesetzt. Auf einem der Adventskalender verwendete das Unternehmen ein orientalisches Motiv und den Spruch „1001 Weihnachtstraum“. Es stellte eine Szene aus der Geburt Jesu mit den drei Heiligen Königen, Josef und Maria auf einem Esel dar. Dieses Motiv vertreibt Lindt bereits seit zehn Jahren. Die daraus entstandene Debatte vermischte sich wiederum mit der Problematik muslimischer Flüchtlinge. Lindt ging bei der Beantwortung der Kritiken verhalten vor. So gut wie jeder Post wurde mit einer persönlichen Ansprache bedacht, jedoch war der Text dahinter immer gleich: „Lindt & Sprüngli möchte immer Freude bereiten und dies nicht nur mit bester Qualitätsschokolade und raffinierten Rezepturen, sondern auch mit einer ansprechenden Verpackung. Es liegt uns fern, mit unseren Produkten die Gefühle unserer Konsumentinnen und Konsumenten zu verletzen, und es tut uns sehr leid, wenn dies der Fall war. Respekt und Toleranz, unabhängig von Geschlecht, Religion, politischer Auffassung und sonstigen Überzeugungen dienen bei Lindt & Sprüngli als Basis jedes Handelns. Selbstverständlich respektieren wir daher auch den kulturellen Hintergrund des Weihnachtsfestes. Der Adventskalender '1001 Nacht' ist seit mehr als zehn Jahren ein Lindt- Klassiker zu Weihnachten. Die Verpackung stellt eine Visualisierung der damaligen lokalen Lebensumstände dar. Dazu gehört auch Architektur und Kultur, wie diese in der orientalischen Welt zu Christi Geburt gewesen sein könnte.".

Penny und seine Zipfelmänner

Bei Penny entdeckte eine Käuferin Zipfel- anstatt Weihnachtsmänner und lösten eine Debatte über die Islamisierung in Deutschland aus. Was die Kritikerin nicht zu wissen schien, war der Umstand, dass es die Schokomänner seit einigen Jahren bei Penny gibt. Penny reagiert erstaunlich gelassen darauf und verhinderte damit erfolgreich einen Shitstorm.Penny.jpg

Was kann man daraus lernen?

Politische Themen sind immer krisenbehaftet. Diese Krisen können Unternehmen treffen. Jedes Unternehmen sollte daher kritisch alle Betriebsabläufe, Produkte, Werbeträger und diverse Zulieferer auf sein Krisenpotenzial überprüfen. Außerdem muss immer ein strategisches Monitoring im Unternehmen etabliert sein. Nur so können Sie wissen, wann, wo und wie über Sie gesprochen wird. Führen Sie Guidelines, Checklisten und Handbücher ein, die einem Krisenteam Auskunft über Ansprechpartner geben und mögliche Vorgehensweisen aufzeigen. Kommunizieren Sie offen und authentisch, aber auch professionell, menschlich, sympathisch und persönlich. Mit unserem Team an Ihrer Seite, lassen sich die passende Strategie und eine gute Implementierung in Ihrem Unternehmen umsetzen.

Headerbild: Fotolia / morganimation

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Topics: Social Media, Community Management

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