re:publica2015 – was vom Content übrig blieb

Norbert Diedrich am 12. Mai 2015
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republica15

Selten schien mir eine Veranstaltung aus dem Kontext Web/Kommunikation/Marketing im Vorfeld so gedisst wie die re:publica2015 (#rp15). Warum das so ist, habe ich nicht verstanden. Es wird ja niemand gezwungen, dort hin zu gehen. Allerdings, die inhaltlichen Veränderungen im Programm waren schon vorher nicht zu übersehen.

 

Der Anspruch der re:publica ist, ein Beitrag zur digitalen Gesellschaft zu leisten, entsprechendes Wissen zu vermitteln und weiterzugeben. Ein Anspruch, der scheitert, wenn man ihn als Besucher zu eng mit Erwartungen an Visionen oder technisch relevante Inhalte knüpft. Dennoch, ich habe in diesem Jahr viele Anregungen, Perspektivwechsel und einen regen, konstruktiven Austausch gefunden – auch über den beruflichen Alltag.

Im Gegensatz zu vorherigen Teilnahmen 2012 und 2014 stand für mich 2015 die persönliche Begegnung im Vordergrund. Die STATION (Gleisdreieck, Berlin) war vom 5. bis 7. Mai kein Ort für klassische Akquise. Es schien mir eher wie ein Ansatz des Content Marketings. So gehet hin und sprecht, redet, hört zu und man will auf Euch aufmerksam werden.

 

Anregung auf breiter Ebene

Beispielhaft für anregende Sessions möchte ich zwei Speaker willkürlich herausgreifen.

Friedemann Karig „Die Abschaffung der Wahrheit“. Ein lebendig und anregend gehaltener Vortrag über das Missverständnis, dass wir eine Wissensgesellschaft seien. Sind wir nicht. Wir sind eher eine Glaubensgesellschaft, die vielfach und beharrlich glaubt zu wissen.

Thesen: Vielfalt und Manipulationsmöglichkeiten sowie fehlende Quellenangaben verleiten uns dazu, Information mit Wissen zu verwechseln. Auf der anderen Seite suchen wir nach Wegen, mit der kaum fassbaren Komplexität des Internets fertig zu werden. Deshalb seien auch einfache Geschichten gerade so gefragt – mit allen daraus resultierenden positiven und negativen Effekten. Zusammen mit Sinnsuche, Handlungsdruck bei der intellektuellen Erschließung des Webs stehen wir uns selbst am meisten im Weg.

Alexander Gerst ist kein Mensch, den man erst groß vorstellen muss. Der deutsche Astronaut, der 2014 sechs Monate lang auf der ISS arbeitete, bringt nicht nur einzigartige Sichtweisen auf gesellschaftliche sowie politische Themen, sondern auch eine Affinität zu digitaler Kommunikation mit - der perfekte Speaker für ein Event wie die rp15: eloquent, kompetent, packend und unterhaltsam. Und alles ohne ein einziges Wort der Provokation gegen irgendwas oder irgendjemanden. Etwa seine Schilderung des gegenseitigen Raketenbeschusses zwischen Gaza und Israel, die man vom Raum aus sehen kann, berührt auch ohne blumige Sprache.

Sein Anspruch: Uns an Perspektiven teilhaben zu lassen, die man erhält, wenn man sich außerhalb unseres globalen Lebensraums befindet. Ein Lehrstück für jeden, der den Anspruch hat, Botschaften mit Content zu verbreiten.

 

Fazit:

Das Programm der re:publica wird mehr zu einem Rahmenprogramm, wobei sich die Themen in die Breite aber deswegen nicht zwingend in ihrer Qualität verändern. Gesellschaft und Medien – auch in ihrer begrifflichen Einfachheit – bestimmten weite Teile des Angebots. Das Potenzial an Ideen und Anregungen scheint mir mehr als zuvor geeignet, sowohl Digital Natives als auch Digital Immigrants anzusprechen. Deswegen wird es die re:publica wohl auch noch weiter geben.

Aus meiner Sicht funktioniert die re:publica gemäß 2015 für Menschen,

  • die bisweilen einen Perspektivwechsel innerhalb der Digitalen Gesellschaft suchen,
  • die den Face2Face-Kontakt auch auf breiter Ebene genießen,
  • die sich ein Bild vom Zustand der Digitalen Gesellschaft in Deutschland machen wollen,
  • die neu hinzukommen,
  • die wenigstens einmal ein durchgehend funktionierendes WLAN auf einer Veranstaltung dieser Größenordnung erleben wollen,
  • die allein deswegen auch auf eine reibungslos funktionierende Mobile App verzichten können.

 

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Topics: Content Marketing, Veranstaltungen

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