Rückblick Social Media Club München: Social goes sozial

Romy Fuchs am 9. Dezember 2015
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sozial Social Media ClubDas Jahr neigt sich dem Ende und viele Veranstaltungen finden ein letztes Mal in 2015 statt. Bereits zur Tradition geworden, lud auch der Social Media Club München zum Taste & Networking im Dezember ein. Motto des Abends: Social goes sozial. Wie sozial kann das Social Network eigentlich sein? Und nutzt es auch schon ein jeder für seine sozialen Projekte?

Am Abend des 07.12.2015 trafen sich die Jünger des Social Media Club Münchens auf dem Gelände des Kreativquartiers München im Haus MUCCA. MUCCA steht für Munich Center of Community Arts und fördert kulturelle Bildung sowie künstlerische Aus- und Fortbildung für alle Altersgruppen jeglicher kultureller und sozialer Herkunft. Eine sehr passende Location angesichts des Mottos.

Bier für soziale Projekte

Da schlagen die meisten Männerherzen schneller. Bier trinken und dabei auch noch etwas Gutes tun. Was gibt es besseres?! Das dachten sich sicher auch die Gründer von „Quartiermeister. Vor vier Jahren startet das Projekt in Berlin. Der Gründer Sebastian war auf der Suche nach einem Konzept, das soziales Engagement so einfach wie möglich macht, ohne mehr Zeit oder Geld dafür aufwenden zu müssen. Ihm kam der Gedanke, den Konsum eines Produktes mit einem gesellschaftlichen Mehrwert zu verknüpfen, einem Mehrwert der direkt vor Ort sichtbar ist. An einem Kneipenabend mit Freunden stieß er auf das Produkt Bier. Bier konsumiert man oft mit Freunden, es ist ein soziales Produkt, man unterhält sich gern darüber und es ist mit Emotionen aufgeladen. Die passende regionale Brauerei fand sich bald und der Vertrieb startete. Inzwischen gibt es Ableger in Dresden, Leipzig und auch München.

jan social media clubJan Svensson ist der Geschäftsführer von Quartiermeister München und stellte die Idee, Entstehungsgeschichte und auch die derzeitige Situation vor. Nach einigen Kneipenbummeln, Brauereibesichtigungen und Bier-Blindverkostungen entstand im Juni 2012 der Ableger in München. Da Quartiermeister Wert auf regionale Produkte aus heimischen Zutaten legt, wurde vor allem eine inhabergeführte Privatbrauerei in und um München gesucht. Beim Gut Forsting sind sie fündig geworden und unterschrieben den Vertrag für die Kooperation für ein „soziales Bier“.

Was ist ein soziales Bier?

Quartiermeister ist eine Non-Profit-Organisation in Form einer GbR, die hier in München mit ehrenamtlichen Mitarbeitern agiert. Pro verkaufter Flasche gehen mindestens 10 ct – pro Kasten 2 Euro - an soziale und kulturelle Projekte in der Nachbarschaft. Der Rest wird zur Deckung der Kosten für den Einkauf der Biere und deren Etiketten sowie den Vertrieb verwendet. Seit Juni 2012 wurden bereits 19.952 Euro sozialer Gewinn erwirtschaftet – das sind umgerechnet 471 Badewannen voller Bier. Derzeit gibt’s Quartiermeister standardmäßig nur als Helles. Bei größeren Bestellungen lassen sich auch andere Sorten organisieren.

Folgende Projekte wurden bereits gefördert:

  • Projekt Laden International
  • HEi – Haus der Eigenarbeit
  • Kulturraum
  • Perspektiven bilden
  • Bayerischer Flüchtlingsrat
  • Lastenradler

Derzeit ist Quartiermeister auf der Suche nach weiteren sozialen Projekten, die gefördert werden sollen, nach neuen Verkaufsstellen und ganz stark nach aktiven Biertrinkern. Denn sie wollen „Schluck für Schluck die Welt verändern!“.

Und social?

Natürlich haben die Macher hinter dem sozialen Bier auch die sozialen Medien für sich entdeckt. Auf Facebook sind sie gemeinsam mit den Berliner Kollegen vertreten. Dennoch sagen sie selbst, dass sie die meiste Aufmerksamkeit über den klassischen Flyer, dem Bieretikett und das eigens besorgte Dreirad erhalten. Da ist also noch gut Luft nach oben.

Das MUCCA stellt sich vor

Michael Social Media ClubMichael Bischoff stellte auf seine Art das MUCCA und seine Projekte vor – komplett ohne eine PowerPoint-Präsentation, dafür aber trotzdem sehr anschaulich. Jeden Mittwoch finden die „culture kitchen“ und der „social circus“ statt. Bei ersterem helfen 5-6 ehrenamtliche Mitglieder und kochen gemeinsam mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien, welche auf dem Gelände des Kreativquartiers untergebracht sind. Zeitgleich findet das Zirkus Projekt statt. Auch hier finden sich meist 3-4 Trainer – übrigens über eine eigene Facebook-Gruppe, die den anwesenden Kindern nonverbale Formen des Miteinander Umgehens, wie beispielsweise den Abbau von Vorurteilen, durch artistische Kunststücke beibringen. Für die meisten Kinder sind diese Zusammenkünfte wie eine Therapie und viele der kleinen Tricks helfen sogar Fingerfertigkeiten zu trainieren und auch Legasthenie positiv entgegenzuwirken. Danach wird gemeinsam gegessen. Vorhandene Sprachschwierigkeiten werden dabei mit Hand und Fuß oder aber auch durch anwesende Kinder, die schon gut Deutsch gelernt haben, gelöst.

Im wahren Leben ist Michael Bischoff Moderator und Clown, also so richtig auf Veranstaltungen. Ihm liegt dieses Projekt wirklich sehr am Herzen, was man schon durch den Enthusiasmus seines Vortrages oder eigentlich seiner Show sehen konnte. Am besten schauen Sie selbst mal:

Förderfähig?

Da die ehrenamtlichen Helfer lieber ihre wenige Zeit in die Projekte stecken als sich mit der deutschen Bürokratie herumzuschlagen und weil auch das Thema Flüchtlinge noch recht neu ist, wurde erst jetzt ein Antrag auf Förderung gestellt und ein Sponsoring-System fehlt noch gänzlich. Daher freut sich das MUCCA über jeden Helfer, der vielleicht auch in Sachen Webseite und Social Media tatkräftig mithelfen kann. Kontaktvermittlung übernimmt sicher die Orga-Leitung des Social Media Club München.

Mit Flying Help auf Kos

Das letze Thema des Abends war sehr bedrückend. In den letzten Monaten ist das Thema Flüchtlinge und wie diese nach Deutschland kamen und noch immer kommen sehr präsent gewesen. Eine der vielen Stationen auf ihrer Route ist Kos.

Anja Social Media ClubAnja Bonelli, erfolgreiche Innovations- und Social Media Expertin und Social CRM Software Entwicklerin, unterstützte von Anfang an Flüchtlinge in der Bayernkaserne und die Kreative Hilfe für Flüchtlinge, ebenfalls auf dem Gelände des Kreativquartiers. Organsiert wurden und werden noch immer diese Projekte über Facebook und das innerhalb kürzester Zeit.
Doch das reichte ihr nicht aus, sie wollte da helfen, wo es am nötigsten war, auf Kos. Mit dem Verein
Flying help e.V. half sie als eine der Ehrenamtlichen vor Ort, die dort ankommenden Menschen mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Ihre Erfahrungen schrieb sie dabei auf Facebook nieder. Sie selbst bezeichnet ihre Texte und Bilder als rein subjektiv und emotional aufgeladen, aber genau das war es, was ihr an den Medienberichten einfach immer fehlte. Die reinen Statistiken sagen nie etwas über die wirkliche Situation vor Ort aus.
Mit 25 Personen arbeitete sie in einer 24/7-Schicht und stellte schnell fest, dass man den Ankommenden nur wenig zur Verfügung stellen konnte, da die finanziellen Mittel fehlten. Sie startete daher eine Spendenaktion über Facebook. Innerhalb von 2 Wochen gelang es ihr so viel Unterstützung zu erlangen, dass täglich eine warme Mahlzeit für die betreuten Flüchtlinge zur Verfügung steht. Des Weiteren ist es ihr gelungen sieben Familien mit Kleinkindern in einem Hotel statt in den notdürftigen Zelten unterzubringen und auch dies wieder aufgrund der sozialen Gemeinschaft auf Facebook.

Zum Vergleich: beispielsweise wurde einer ihrer Beiträge 95 Mal geteilt – wie oft dieser im Kettensystem weitergeteilt wurde kann man schon nicht mehr erahnen. Der Aufruf nach einem Übersetzer / Dolmetscher brachte 26 Personen hervor, die sofort Anja Bonelli unterstützen wollten und konnten. Durch dieses Netzwerk wurden vier afghanische Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, nach Deutschland gebracht, konnten bereits registriert werden und haben sogar schon eine Wohnung in Mainz erhalten, deren Miete durch Spender übernommen wurde. Für deren weiteren Weg stehen Dolmetscher und rechtliche Berater zur Verfügung.

Ihr Fazit: Social Media ist wahnsinnig sozial!

Taste & Networking

Essen Social Media ClubWie bereits zu Beginn erwähnt, geht es am Ende des Jahres im Social Media Club München nicht nur um das Networking, sondern auch ein bisserl um den Genuss. Daher durften alle Teilnehmer vom guten Quartiermeister probieren und es gab auch äußerst köstliches Essen. Feinstes Bayerisch Stew aus dem Zum Sollner Hirschen. Ein gelungener Abschluss eines Social Media Jahres 2015.

 Titelbild: Fotolia / Igor Mojzes

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Topics: Social Media

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