Rückblick Social Media Club München: Visual Storytelling

Romy Fuchs am 11. November 2015
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#storytelling #visual #smcmucBereits im letzten Monat war das Thema im Social Media Club München “Storytelling. Hierzu wurden bereits zig Bücher gefüllt und Onlinebeiträge veröffentlicht, sodass ein Abend kaum alle Aspekte beleuchten konnte. Daher bot es sich an, einen weiteren Teilaspekt unter die Lupe zu nehmen: Visual Storytelling.

Dass man Wissen in Geschichten verpackt besser aufnimmt hatten wir bereits beim letzten Social Media Club anhand vieler Beispiele erklärt bekommen. Bilder unterstützen dies in der Regel, wenn sie gut gewählt wurden. Mit dem „Visual Storytelling“ möchte man jedoch noch einen Schritt weitergehen. Die Emotionen der Geschichten sollen damit ausgedrückt werden und mit ein bisschen Geschick verflechten sich die Bilder mit dem Text und der Leser will sie mit seinen Freunden und Bekannten teilen. Wie dies aussehen kann, wurde am 9. November 2015 in den –by the way grandiosen – Räumen von Virtual Identity vorgestellt.

Petra Sammer, Global Partner des internationalen Agenturnetzwerks Ketchum

#Sammer #storytelling #smcmucAuch wenn Bilder mehr als 1.000 Worte sagen eröffnete Petra Sammer ihren Teil des Abends mit einer Lesung aus ihrem neuen Buch „Visual Storytelling, welches sie vor kurzem mit Ulrike Heppel veröffentlichte – ein Probekapitel gibt es hier. Wie kann man besser erklären, dass sich Text und Bild miteinander verflechten können, als aus dem Artikel „Snow Fall“ von John Branch (New York Times, 2012) zu zitieren und gleichzeitig einige der Bilder über die Leinwand laufen zu lassen. Dieser Artikel gewann zu Recht den Pulitzer Preis 2013. Im Nachhinein diese Stimmung zu erklären ist immer schwierig. Sofern der Artikel nicht bekannt ist, sollte man diesen UNBEDINGT nachlesen, nachfühlen.

In der Marketingbranche wird viel vom sogenannten Visual Turn gesprochen – klingt wieder einmal sehr neu und modern, ist es aber eigentlich gar nicht. Ein Beispiel dazu war der Intermedia-Kongress 1985, die Messe der neuen Medien in Hamburg. Hier wollte das Magazin STERN ein Zeichen setzen und die Kraft und Überlegenheit von Bildern demonstrieren. Es entstand das Projekt „Pictures in our Minds von Michael Schirmer. Statt der Bilder sah man nur schwarze Tafeln, auf denen in weißer Schrift die Beschreibungen bekannter Fotos zu lesen waren. Diese Bilder waren so bekannt, dass sie sich regelrecht in das Bewusstsein der Betrachter eingebrannt hatten und keine weitere Erklärung benötigten. In 2006 veröffentlichte Michael Schirmer eine weitere Fotostrecke namens „Bye Bye“. Diesmal Bild und kein Text. Auch dieses Mal waren es wieder sehr bekannte Fotos, jedoch mit dem Unterschied, das ihnen einige Details fehlten. Dennoch ist die Erinnerung an die fehlenden Personen oder Gegenstände vorhanden und man ergänzt sie automatisch.

Es überrascht also nicht die derzeitige Entwicklung der nach 1995 geborenen, der Generation Z, welche hauptsächlich über Bilder und Videos kommuniziert, denn „Words are so Generation Y“.

Und was machen die Marketer aus diesen Erkenntnissen? Sie gehen darauf ein. Ein besonders gelungenes Beispiel ist hier Red Bull mit Felix Baumgartners Sprung aus dem All. Kurz auf Twitter angeteasert und ab zum Video.

 

Ein weiteres Beispiel von Sammer: Erkläre einen Kreis!

#Kreis #Sammer #SMCMUCUnd natürlich nicht zu vergessen: Emoticons. Mit diesen kleinen Bildchen lassen sich viele Textnachrichten aufpeppen und Gefühle einfacher transportieren.

Man sieht, es hat sich einiges in Sachen Bild getan. Haben diese bisher die Texte nur unterstützt oder sie ausgeschmückt, werden sie nun immer häufiger eingesetzt, um zu visualisieren, zu interessieren, zu inspirieren und auch zu motivieren. Als eine Art Eselsbrücke wie Bilder wirklich gut werden, nannte Petra Sammer dabei die Zahlen 4, 5 und 6, die Erklärung folgte so gleich.
Sie verwies zunächst auf die 4 wichtigen Kriterien für starke Bilder nach Getty:

  1. Authentisch
  2. Kulturell relevant
  3. Inspirieren
  4. Motivieren

Es folgten die 5 wichtigsten Kriterien für gute Geschichten, die man jedoch analog auch auf Bilder anwenden kann, denn...

#Bilder #Geschichten #Kriterien

Und zum Abschluss gab es das Sixpack (6) des visuellen Erzählens:

  1. Hingucker – Wow-Effekt, Überraschung
  2. Schnellschuss – animated Gifs
  3. Augenschmaus - #FoodPorn
  4. Türöffner – regt Phantasie an
  5. Zeitgeist – Bilder, die bekannte Bilder zitieren
  6. Trittbrettfahrer – auf bestehende Memes aufspringen

All dies kann man heute schon umsetzen. Genau deshalb fordert Petra Sammer, dass Unternehmen und deren Kampagnen spielerischer werden müssen, damit eine Verflechtung wirklich stattfinden kann.

Auch am Ende ihres „Vortrages“ kam sie nochmal auf ein sehr schönes Beispiel der Geschichte zurück und las weiter aus ihrem Buch. 1972 fanden die Olympischen Spiele in München statt und passend dazu brauchte man Werbeplakate. Diese wurden vom Grafikdesigner Otl Aicher gestaltet, der dabei bewusst die bisherige Art und Weise der visuellen Gestaltung vor allem auf die während des NS-Regimes verzichtete. Die Olympischen Spiele sollten leicht und unpolitisch werden. Daher wurden nicht verbrauchte Farben und reale Bilder von Sportlern eingesetzt – er machte sie authentisch und sinnlich.

Jochen Hencke, Content Konzeptioner bei d.Tales

#instagram #hencke #smcmucZweiter Referent des Abends war Jochen Hencke, der bis September 2015 als Social Media Manager für die Stieglbrauerei zu Salzburg gearbeitet hat. Von dort brachte er reichlich Erfahrungen im Visual Storytelling, und da insbesondere auf der Plattform Instagram mit.

Gleich vorab erklärte er: „Bier ist ein dankbares Produkt!“
Dazu muss man sicher nicht viel erklären. Kaum ein anderes Produkt „läuft“ so gut wie ein gutes Bier, ob nun im digitalen Umfeld wie auch in der Hand der Verbraucher.

Bereits 2009 gab es einen Twitter-Account von Stiegl, 2010 kam Facebook dazu, jedoch darf der Inhalt hier nur für Personen ab 18 Jahren ausgespielt und zugänglich gemacht werden. Der Instagram-Account wurde 2013 von Hencke ins Leben gerufen. Gemeinsam mit dem Unternehmen wurde entschieden, dass die Kommunikation in Englisch stattfinden soll, da es bereits viele Fans in Übersee gab. Veröffentlicht werden Memes und Events von Stiegl und darüber hinaus Unmengen an User Generated Content, denn die Beteiligung der Fans ist immens.

Folgende drei To-Dos gab Hencke den Zuhörern bei der Nutzung von Instagram mit auf den Weg:

  1. Liken
  2. Kommentieren
  3. Hashtags

Wenn man als Marke auch die Bilder von Instagramern likt, weckt man Interesse an der Marke. Kommentiert man dann diese auch noch und sei es nur mit einem kleinen Emoticon, hat man neue Follower gewonnen. Damit die eigenen Bilder zwischen den vielen anderen auch gefunden werden, nutzt man Hashtags auf Instagram – nach der Erfahrung von Hencke wird ein Bild ab 11 (!!!) Hashtags erst interessant.

Seit einiger Zeit erlaubt nun auch Instagram Werbung. Auch dies probierte er aus. Getargeted wurde dabei auf ausgewählte Regionen in Deutschland und den USA – Österreich war nicht möglich. Innerhalb von 2 ½ Wochen wurden mit 8.000 Euro versucht, die Reichweite und Sichtbarkeit der Marke zu erhöhen. Unter dem Hashtag #stieglmoment wurden zusätzlich Bilder von Fans gesammelt und daraus monatliche Gewinner gewählt – ein Jahresvorrat an Bier (in Österreich sind das 12 Kästen). Die Ergebnisse sprechen für sich:

#instagram #hencke #smcmucBesonders gut kam die Aktion in den USA an. Hier gibt es weniger Berührungsängste mit Werbung als in Deutschland, wo folgende Kommentare erschienen:

Übrigens fühlt sich Jochen Hencke noch immer als ein Stiegl und sein Nachfolger hat eindeutig weniger Follower als er.

Fazit

Im Gespräch mit einigen anderen Teilnehmern über das letzte Treffen des #SMCMUC kam immer wieder die Meinung auf, dass man diese Veranstaltung kaum toppen kann. Dennoch haben es die Veranstalter wieder einmal gezeigt, dass sie ganz genau wissen, was ihre Besucher sehen bzw. hören wollen und mit der Fortsetzung zu Storytelling ist es ihnen wunderbar gelungen.

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Topics: Content Marketing, Social Media

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