Snapchat fürs Unternehmen nutzen: Das müssen Sie wissen

Kerstin Kitzmann am 22. Juli 2016
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Snapchat: Als Teil meiner Marketingstrategie für mein Unternehmen?

Snapchat ist schon lange keine Teenie-App mehr. Die Messenger-App wird zunehmend auch von Ü-20ern genutzt und wird damit sehr attraktiv für neue Wege in der Vermarktung. Zudem baut Snapchat seine Features permanent weiter aus. Anders als bei anderen Social Media Plattformen, wie z.B. Instagram oder Pinterest, sind bei dem Multimedia-Messenger die Snaps grundsätzlich nicht öffentlich, sondern nur für Freunde sichtbar. Und sie werden entweder nach dem Senden gelöscht oder – wenn sie in die „Galerie“ geladen wurden - nach 24 Stunden. Während in der App anfangs nur die aktuell gedrehten Snaps in die eigene öffentliche Galerie geladen werden konnten, wird jetzt mit „Memories“ auch der Upload von vorproduzierten und professionell aufbereiteten Snaps möglich. Das nimmt der App zwar den ursprünglichen, spontanen Charakter der Augenblicks-Mitteilung, macht sie aber für Unternehmen umso spannender.

Vom Hype zur Normalität

Nach einem großen Hype seit Beginn letzten Jahres haben mittlerweile circa 40 Prozent der 25- bis 34-Jährigen die App auf ihrem Smartphone installiert. Und auch noch ältere Semester sollen auf dem Vormarsch sein. So haben nach einer Studie von comScore in den USA bereits 15 Prozent der über 35-Jährigen Smartphone-Nutzer den neuen Medien-Messenger im Einsatz, Tendenz steigend. Snapchat selbst hat noch keine Zahlen für den deutschen Markt öffentlich zur Verfügung gestellt. Dies wird sich sicherlich ändern, sobald Werbepakete für Unternehmen geschnürt werden.

Doch was macht den Reiz von Snapchat aus?

Ähnlich wie bei anderen Messenger-Diensten können Fotos, Videos, Sprach- und Textnachrichten sowie Videos mit Freunden ausgetauscht werden. Alle diese Snaps lassen sich schnell und einfach mit einem Malstift, fertigen Emojis, Filtern und weiteren Effekten verzieren, die über ein selbstgeschossenes Foto gelegt werden. Hat der Nutzer die Ortungsdienste und den Filter in der App aktiviert, stehen an vielen Orten bereits Geo-Filter zur Verfügung, die über ein Foto gelegt werden. Mit diesen kann der User seinen Freunden gleich mitteilen, an welchem Ort er sich aufhält. Ein attraktives Modell für Unternehmen, das in den USA bereits von Starbucks genutzt wurde.

Bei Selfies sehr beliebt sind zudem die phantasievollen und ständig wechselnden Linsen mit animierten Live-Effekten, die das eigene Aussehen verändern. Wer erinnert sich noch an die vielen Bilder mit Regenbogen kotzenden Gesichtern, als diese Linse zu Beginn des Jahres eingeführt wurde? Viele Snapchatter zogen hiervon auch Screenshots und teilen diese auf anderen Social-Media-Kanälen.

collage snapchatBildquelle: Kerstin Kitzmann

Die Kunst des Augenblicks zelebrieren

Die Snaps, und das ist das Besondere, werden nach Versand und Abruf sowohl auf dem Sender- wie auch auf dem Empfängergerät automatisch gelöscht. Sie lassen sich aber auch im öffentlichen Ordner „Meine Stories“ sammeln, der für alle Freunde sichtbar ist. Dort werden alle eigenen gesendeten Snaps zu einer Story zusammengeführt und sind 24 Stunden lang abrufbar. Nach Ablauf der 24 Stunden werden sie dann ebenfalls gelöscht. Wer seine Snaps behalten möchte, kann sie mit einer Downloadfunktion auch lokal speichern. Die Snapchat Stories sind für Unternehmen interessant, weil sich hiermit gut Geschichten erzählen lassen.

Neu ist die Funktion Memorys. Damit lassen sich Snaps jetzt auch direkt auf dem Handy speichern, bearbeiten und erst danach in „Meine Story“ hochladen. Dies war zuvor nicht möglich. Ebenso lassen sich bearbeitete Fotos aus dem Handyarchiv in die Storys hochladen. Sie werden dann allerdings mit einem Rahmen versehen, damit man sie unterscheiden kann.

Aus den Augen ist nicht aus den Servern

Das automatische Löschen ist aber kein 100%iger Schutz vor einem Missbrauch der eigenen Daten. Das hält so manchen Interessenten noch von der Nutzung ab. Denn die Bilder können vom Empfänger z.B. per Screenshot dupliziert werden. In diesem Fall erhält der Absender des Fotos zwar eine Benachrichtigung über die App, welcher seiner Freunde einen Screenshot gezogen hat. Aber er hat keinen Einfluss darauf, was weiterhin mit dem Bild passieren wird.

Das gilt ebenso für die vielen Daten, die auf den Servern von Snapchat gespeichert werden.

Wie gewinne ich Freunde auf Snapchat?

Anders als bei Plattformen, wie z.B. Instagram, Pinterest oder Facebook-Pages, sind die eigenen Snaps bei Snapchat als Messenger nicht für die Öffentlichkeit sichtbar, sondern nur für die Freunde. Das bedeutet, man muss zuvor erst einmal eine Freundesliste erstellen. Dies funktioniert bei Snapchat ein wenig hakelig über den Snapcode, also über das Profilbild des Freundes. Zudem lassen sich Freunde aus dem eigenen Adressbuch adden. Eine Suchfunktion ermöglicht auch die Suche nach einem Namen. Aber viele Snapchatter sind nicht unter ihrem Klarnamen unterwegs. Dazu zeigt Snapchat bei der Suche nur den Profilnamen, nicht aber den Klarnamen an, wie wir dies beispielsweise von Twitter gewohnt sind. Zur Lösung dieses Problems hat Philipp Steuer auf seinem Blog eine Datenbank gestartet, in die sich Snapchatter eintragen können. So sind sie dann auch über ihren Klarnamen oder ihr Twitterhandle auffindbar. Und er bietet die Möglichkeit, nach spezifischen Hashtags zu suchen. Allerdings stockt der Prozess seit geraumer Zeit. Es entstehen im Netz aber gerade jede Menge Snapchatter-Listen, auch mit Empfehlungslisten zu spezifischen Themen und Snapchattern, die sich leicht googeln lassen. Auf Veranstaltungen kann die vielen Anwendern noch unbekannte Funktion „In der Nähe adden“ genutzt werden.

Um die eigene Reichweite zu höhen und Follower aufzubauen, sollte der Snapcode auf allen Social-Media-Kanälen und auf dem eigenen Blog präsent sein. Ohne Integration wird der Follower-Aufbau schwieriger. Deshalb sollten Aktionen auf Snapchat auch ihren festen Platz in den Content-Plänen der weiteren Social-Media-Kanäle bekommen.

Als Unternehmen mit Snapchat starten?

Da Snapchat boomt und eine attraktive Nutzerstruktur aufweist, erregt die App zunehmend die Aufmerksamkeit von Unternehmen. Doch wie lässt sich die App sinnvoll in die Marketing- und Social-Media-Strategie einbinden? Um dies beurteilen zu können, ist es wichtig, sich zunächst mit den Besonderheiten der App zu beschäftigen und diese auch selbst zu testen – und sich möglichst viele Cases und unterschiedliche Profile anzuschauen. Erst dann lässt sich eine Strategie entwickeln, die den Nerv der User treffen kann. Unternehmen, die einfach nach einem weiteren Kanal für die Platzierung von Werbebotschaften suchen und nicht auf Augenhöhe mit den Usern kommunizieren wollen oder können, sind hier an der falschen Stelle. Sie werden sicherlich kein Gehör finden. Denn Follower lassen sich gerade hier nur mit gutem Content und authentischen Stories finden.

Erst testen, dann starten

Bevor große Budgets angefasst werden, starten experimentierfreudige Unternehmen gerne zunächst einmal mit einer einzelnen Aktion. Ideal geeignet sind dafür Veranstaltungen, besondere Ereignisse oder einfach Einblicke in den Unternehmensalltag. So startete z.B. der ADAC kürzlich ein Experiment, wo eine ganze Woche lang Einblicke in die einzelnen Bereiche des ADAC gegeben wurden. Zwei Mitarbeiter waren als Snapchat-Reporter unterwegs und nahmen die Follower mit auf ihre Tour. Auch wenn die Story und das Drehbuch vorab im Grunde geplant waren, war während der Aktion hohe Flexibilität angesagt und viel Spielraum für Spontanes. Gerade dies macht Snapchat interessant und ermöglicht Authentizität statt gelackter Werbefilmchen. Zudem lässt sich so herausfinden, wie Snapchat für die eigene Community funktionieren kann.

Ein Unternehmen, das generell in den Social-Media-Kanälen schon sehr aktiv ist und hohe Follower-Zahlen aufweisen kann, ist dadurch im Vorteil. Es kann auf allen Kanälen posten, was es gerade auf Snapchat zu sehen gibt, und so leichter bereits interessierte Follower auch auf den neuen Kanal ziehen.

Oder man nutzt diesen Effekt gleich ganz gezielt, wie einst die amerikanische Fast-Food-Kette Taco Bell. Das Unternehmen bewarb seinen Snapchat-Account erst über Twitter und schickte dann denjenigen Nutzern, die das Unternehmen auf Snapchat hinzufügten, einen Snap des neuen Burritos mit dem dazugehörigen Erscheinungsdatum. Die Nachricht über das neue Produkt verbreitete sich so ziemlich schnell.

Besondere Bereiche für Unternehmen

Über den neuesten Updates im Stream befindet sich der Bereich Discover mit unterschiedlichen Channeln. Hier senden allerdings nur ausgewählte Unternehmen jeden Tag ihre News, die ebenfalls jeweils 24 Stunden sichtbar sind. Der Content ist professionell und aufwendig erstellt. Die einzelnen Channels können vom Nutzer abonniert werden. Hier ist durchaus vorstellbar, dass der Bereich erweitert oder auf Nutzerbedürfnisse zugeschnitten wird.

Promotion mal ganz anders

Neben gutem Content kann ein Unternehmen auch mit außergewöhnlichen Marketing-Ideen punkten. So promotete Starbucks sechs Monate lang sein neues Loyality-Programm mit einer passenden gesponserten Linse für die Selfies.

Damit verbreitet sich die Botschaft direkt durch die Nutzung der Linse an die Freunde der Snapchatter. Derzeit ist dieses Modell jedoch nicht für Deutschland verfügbar. Auch der Lenses-Store für die Nutzer, in dem aufwändige Lieblingslinsen angeboten werden sollten, wurde nach nur zweimonatiger Öffnungszeit zu Beginn des Jahres wieder geschlossen. So können Snapchatter die Effekte weiterhin kostenlos verwenden. Zudem gibt es die Möglichkeit, Geo-Filter zu nutzen, die ebenfalls den Fotos oder den Selfies hinzugefügt werden. Diese können in begrenztem Umfang auch gesponsert werden.

Messen schwergemacht

Für Snapchat gibt es noch keine ausreichenden Tools zum Monitoren und zur Auswertung. Es ist relativ schwierig, die Resonanz der Follower zu verfolgen, wie man dies bei Facebook oder Twitter kann. Zudem ist die Anzahl der tatsächlichen Follower nicht einsehbar, aber die Anzahl der gezogenen Screenshots und Views lässt sich messen. Diese trägt man anfangs am einfachsten in eine Excel-Liste für eine eigene Auswertung und Statistik ein. Alles keine gute Ausgangssituation fürs Unternehmensmarketing, aber auch kein Hinderungsgrund, es nicht doch mal zu testen.

Wer nach der Lektüre des Artikels gerne die ersten Versuche mit Snapchat starten möchte: Hier gibt es Basics dazu von Richard Gutjahr oder auch ein kostenloses E-Book von Philipp Steuer.

Headerbild: © Julia Tim - Fotolia.com

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Topics: Social Media, Snapchat

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